Der Synodale Weg

Die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2019 in Lingen stand ganz unter dem Eindruck der MHG-Studie, die das Ausmaß sexuellen Missbrauchs im Bereich der katholischen Kirche deutlich gemacht hatte. Unter dem Eindruck der Ergebnisse beschlossen die deutschen Bischöfe einen „synodalen Weg”, der am 1. Advent 2019 eröffnet wurde.

Der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland dient der gemeinsamen Suche nach Schritten, mit denen das christliche Zeugnis gestärkt werden kann. Innerhalb von zwei Jahren soll es einen Weg der Umkehr und Erneuerung gehen, an dem Laien und Priester, Frauen und Männer, teilhaben werden.

Gemeinsam mit allen Gläubigen wollen die Bischöfe Reformen anstoßen. Ziel ist es, einen Aufbruch im Licht des Evangeliums zu wagen und Antworten auf drängende Fragen der Kirche zu finden. Die Themen lauten: Machtmissbrauch, Sexualmoral, Zölibat und die Rolle der Frau.

Inzwischen wurden zu den Themen gearbeitet. Es gab Konferenzen auf Bundesebene und auf Diözesanebene. Auch, wenn die Planung des Weges durch Corona durcheinander geriet, es geht weiter.

 

Livestreams der Konferenzen, Newsletter und die aktuellen Informationen finden Sie auf www.synodalerweg.de.

 

Informationen zum Synodalen Weg im Erzbistum Paderborn. weiterlesen…

Vortrag in Meschede (25.2.2021)

Die Katholiken kehren der Kirche nicht erst seit dem Missbrauchsskandal den Rücken. Doch dieser hat für viele das Fass zum Überlaufen gebracht. Der offizielle Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen, das kirchliche Dienstrecht, die Ökumene, die Ansichten über Sexualität – den echten Kontakt zu den Menschen hat die Kirche für viele schon lange verloren. Eine deutsche Antwort darauf ist der Synodale Weg, ein Diskussions-Forum von Laien und Priestern, ein offener und ehrlicher Austausch, an dessen Ende verbindliche Beschlüsse stehen sollen.

Die vorgegeben Themen: „Macht und Gewaltenteilung, priesterliche Lebensform, Sexualmoral und Rolle der Frauen“ sind Themen mit Sprengstoff. Doch wie groß ist die tatsächliche Gesprächs- und Reformbereitschaft? „Groß“, sagte Pastor Ludger Hojenski. Der Pfarrer im Pastoralteam St. Ewaldi Dortmund war von 1997 bis 2004 Pastor in Mariä Himmelfahrt. Bis heute pflegt er freundschaftliche Verbindungen in die Kreisstadt. Hojenski gehört als Vertreter des Priesterrates des Erzbistums Paderborn dem Synodalen Weg an. Auf Einladung der kfd Mariä Himmelfahrt referierte er jetzt in einem Video-Meeting über seine Erfahrungen.

Er sehe eine wirkliche Reformbereitschaft unter den Bischöfen. „Man hört die lauten Stimmen der konservativen Vertreter, doch sie haben keine Mehrheit.“ So sei der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki gleich in der ersten Sitzung mit seinem Antrag gescheitert, wonach nur einstimmige Beschlüsse der Vollversammlung, mehrheitsfähig seien.

Hojenski beschreibt die Stimmung des Synodalen Wegs als gleichberechtigt, offen, sachlich und lösungsorientiert. Im Herbst 2021 sollen verbindliche Beschlüsse präsentiert werden, die je nach Möglichkeit in den Pfarrgemeinden oder in den Diözesen umgesetzt werden. „Auch ich als Pfarrer bin ja nicht machtlos“, betonte Hojenski. Und den Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker erlebe er – zwar nicht als den großen Reformer, aber als jemand, der die gefassten Beschlüsse auch umsetzen werde.

Bei Macht und Gewaltenteilung sehe er die Katholische Kirche schon auf einem guten Weg, so habe die Bischofskonferenz mit Dr. Beate Gilles jetzt erstmals eine Frau zur Generalsekretärin gewählt. „Erstmals – und das ist traurig genug, wird auch mit den Missbrauchsopfern gesprochen und nicht nur über sie.“

Knackpunkt sind und bleiben Themen, die letztlich der Papst für die Weltkirche entscheiden muss, wie die verpflichtete Ehelosigkeit der Priester und die Priesterweihe der Frauen. Ludger Hojenski machte dazu klar, dass er in den Diskussionsforen nur gute Argumente für Letzteres gehört habe. „Nichts, was meine positive Meinung zur Weihe von Frauen verändert hätte. Im Gegenteil. Das hat mich persönlich nur bestärkt.“

Insgesamt, so der Pastor, sei der Synodale Weg eine wichtiges Diskussions- und Beschluss-Gremium. Er weiß: „Vielen geht es zu langsam.“ Für die Zukunft der Kirche und ihre Glaubwürdigkeit seien die Ergebnisse und ihre Umsetzung entscheidend. „Konservative Kreise, die Angst vor einer Kirchenspaltung haben, werden wir nicht alle mitnehmen können. Aber jeder kann doch sehen, wie viele Katholiken heute schon die Kirche verlassen und sich damit ganz bewusst abspalten, weil die Kirche ihrer Lebenswirklichkeit nicht mehr entspricht.“ U. Tolksdorf, kfd M.Himmelfahrt